Montage trans:formation: ©KOM EHB


Welche Fragen, Anpassungen und Auswirkungen hatte die Pandemie im Frühjahr 2020 im Programm trans:formation ausgelöst?

Die Corona-Pandemie war in Bezug auf die Digitalisierung allgemein eine einmalige und intensive Zeit. Es wurden Hemmungen abgebaut, sich im Fernunterricht zu versuchen, und entsprechend wurde viel experimentiert. Unser Programm trans:formation war in zweierlei Hinsicht von der Pandemie betroffen: Zum einen fehlte uns plötzlich die Möglichkeit, Präsenzveranstaltungen durchzuführen, was unsere Arbeit erschwerte. Mit dem Digi-Check und unseren Weiterbildungsangeboten liessen sich zwei der drei Dienstleistungen, die wir im Programm anbieten, nicht mehr wie sonst üblich in Präsenz durchführen. Für unsere Digi-Checks, mit denen wir Schulen eine Standortbestimmung in Bezug auf ihre digitale Transformation ermöglichen, treffen unsere Expertinnen und Experten des EHB normalerweise die Schulleitungen und Lehrpersonen für einen Austausch und für Workshops an ihrer Schule. Auch Weiterbildungsangebote, mit denen wir die digitalen Kompetenzen der Lehrpersonen fördern, konnten wir nicht mehr in der üblichen Form anbieten. Zum andern merkten wir, dass die Berufsfachschulen – die Zielgruppe des Programms trans:formation – mit der plötzlichen Umstellung auf Fernunterricht ganz spezifische und unmittelbare Bedürfnisse hatten und somit nicht mehr all unsere längerfristigen Beratungsdienstleistungen in gleichem Masse in Anspruch nahmen. Wir haben natürlich in dieser Zeit auch selber nochmals vertieft neue Erfahrungen gesammelt und mit den unterschiedlichen technischen Möglichkeiten experimentiert, die sich fürs Unterrichten einsetzen lassen. Dabei haben wir gemerkt, dass das durchaus sehr anregend sein kann, um das eigene Vorgehen neu zu denken. So muss man beispielsweise in virtuellen Sitzungen die Leute vermehrt direkt mit Namen ansprechen, was hilfreich ist, um Diskussionen zu strukturieren und wohl mit ein Grund dafür ist, dass virtuelle Sitzungen fürs Tagesgeschäft oft effizienter sind. Dieses Vorgehen lässt sich auch auf Sitzungen vor Ort übertragen.

Welche zusätzlichen Anfragen/Bedürfnisse bezüglich digitaler Transformation in der Berufsbildung trafen beim EHB ein? Welche konnten kurzfristig abgedeckt werden?

Die Anfragen und Bedürfnisse gingen ganz klar in die Richtung, dass viele Schulen schnell und unbürokratisch froh um unsere Unterstützung waren, um ihre Lehrpersonen spezifisch für die aktuellen Herausforderungen schulen zu können, die der Fernunterricht an sie stellte.

Lehrpersonen wollten sich die nötigen Kompetenzen rasch aneignen, um die zur Verfügung stehenden digitalen Mittel didaktisch sinnvoll einsetzen zu können. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, haben wir gesamtschweizerisch innert kürzester Zeit Webinare entwickelt und angeboten. Diese stiessen auf grosses Interesse und waren gut besucht. Die Webinare konnten sowohl von Lehrpersonen autonom absolviert, als auch von einer Schulleitung massgeschneidert für die Lehrpersonen ihrer Schule in Anspruch genommen werden. Sie boten auch den Raum, auf ganz individuelle Bedürfnisse der Teilnehmenden einzugehen. So konnten wir die Berufsfachschulen in dieser herausfordernden Zeit unterstützen.

Welche Bedürfnisse sind noch offen und sollten angegangen werden?

Nachdem sich an den Berufsfachschulen der Fernunterricht eingespielt hatte, entstand bei den Schulleitungen rasch das Bedürfnis, dann auch ein Fazit zu dieser ausserordentlichen Phase zu ziehen. Denn es liessen sich gezwungenermassen innert kürzester Zeit sehr viele wertvolle Erfahrungen mit digitalen Lern- und Unterrichtsformen sammeln. Was lief gut? Was noch weniger? Wo macht der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmethoden Sinn? Wo erwies er sich als schwierig? Antworten darauf sind jetzt gefragt. Die Erkenntnisse, die sich daraus gewinnen lassen, werden eine grosse Hilfe für die weitere digitale Transformation der Berufsfachschulen sein. Das Bedürfnis, solche Fazits zum Corona-Fernunterricht zu ziehen, wollen wir künftig innerhalb unseres Programms trans:formation aufnehmen. Aus unserer Sicht hat sich in der Krise bestätigt, dass nicht nur die Frage nach dem geeigneten digitalen Hilfsmittel wichtig ist, sondern auch der pädagogisch-didaktisch richtige Einsatz dieser Mittel zentral ist. Nachdem nun einige technische Hürden kleiner geworden oder ganz verschwunden sind, hoffen wir, im Programm vermehrt auf diesen pädagogisch-didaktischen Aspekt fokussieren zu können.

Welche Entwicklung ist für das Programm trans:formation vorgesehen?

Im Vergleich zum Programmstart zeigt sich die Entwicklung insbesondere in der Erweiterung auf komplett virtuelle Dienstleistungen via Konferenztools und E-Learning. So können die Berufsfachschulen trotz Social Distancing vom vollständigen trans:formation-Angebot des EHB profitieren. Während wir am Anfang des Programms von einer klaren Trennung der drei Angebote (Digi-Check, Weiterbildungen und Projektbegleitungen) und einem fixen Start mit dem Digi-Check ausgingen, wissen wir heute, dass die Übergänge fliessender sind. Beispielsweise haben Digi-Checks oft bereits einen theoretischen Input, den man als «Mini-Weiterbildung» verstehen kann. Dennoch können wir aufgrund der Anzahl bereits durchgeführter Digi-Checks davon ausgehen, dass sich der Schwerpunkt der Unterstützung nun eher auf die anderen zwei Angebote verlagern wird. Wir erwarten, dass insbesondere die Weiterbildungsangebote weiterhin und zunehmend gefragt sein werden. Durch die Pandemie ist das Thema Blended Learning noch stärker in den Vordergrund gerückt. In diesem Bereich möchten wir die Schulen gern unterstützen.